Haiti-Kinderhilfe

Dezember / Januar Haiti Reise Teil 16

Montag, 20 Februar 2017.
Dezember / Januar Haiti Reise Teil 16

An den vergangenen Wochenenden besuchten wir die weit auseinander wohnenden Kinder, die von ihren Paten Geschenke erhalten hatten. Wir wollten die Geschenke im privaten Rahmen übergeben und nicht in Verbindung mit Schule und Kindergarten bringen. Da ja auch nicht alle Kinder ein Geschenk erhalten, hielten wir es für besser diese im familiären Umfeld zu übergeben. Außerdem wollten wir gerne wissen, wie weit die Kinder von der Schule entfernt wohnen und einen Eindruck davon bekommen, wie sie leben.

20170226 2Am Sonntagmorgen nach dem Frühstück gingen wir los. Das erste Kind wohnt nicht sehr weit vom Kindergarten entfernt. Einige hundert Meter direkt an der „Hauptstrasse“ nach Maissade. Das Haus der Familie ist in einem Verbund von etwa fünf Häusern, umschlossen von der hier üblichen Candelab-Hecke. Jede Menge Kinder im Hof, Hühner, Ziegen. Alle kommen angelaufen, um zu erfahren was geboten ist. Die nächste Adresse ist ebenfalls nicht weit entfernt. Dort ist nur das Patenkind mit einem Onkel zuhause, alle anderen Familienmitglieder sind in der Stadt um die Stadt-Abgeordneten zu wählen. Nun geht es weiter ins ziemlich entfernte Codjo.

Auf dem Weg dorthin wohnen noch zwei weitere Kinder, die ein Geschenk erhalten sollen. Ewan, ein vierjähriger Junge davon, ist ganz alleine zuhause, die Eltern ebenfalls in der Stadt. Hier übergeben wir kein Geschenk, sondern am nächsten Morgen im Kindergarten an den Vater. Beim nächsten Kind erfahren wir, dass der Vater aus gesammelten Metall das Aluminium heraus gewinnt und es zu neuen Töpfen verarbeitet. Hochproblematisch die ganze Sache weil giftig und dann noch die Masse an Holzkohle, die dazu gebraucht wird. Hier ein winzig kleines Haus, fünf Kinder, Eltern.

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Endlich in Codjo angekommen, stellen wir fest, dass es bereits ziemlich spät am Nachmittag ist. Auch hier wieder ein Kind, das vollkommen nackt alleine zuhause gelassen wurde. Nur die Tante einige Häuser entfernt schaut nach dem Jungen. Sie leiht ihm Hose und T-Shirt damit wir wenigstens ein Foto machen können. Die Geschenke sind übergeben, Farah übernahm die Erklärung, was es mit den Paten auf sich hat und erklärte auch den Eltern, dass das Geschenk für das Kind ist, und nicht zum Verkaufen gedacht ist. Viel Freude bei den Beschenkten, ein wenig Enttäuschung bei den Geschwistern und den herbei geeilten Kindern der Nachbarschaft. 

Da momentan keine Pflanzzeit ist und es keinerlei Arbeitsstellen in der Region gibt, schlagen sich die Erwachsenen die Zeit mit Domino-Spielen an irgendwelchen Straßenecken tot, auch werden wir laufend von Fremden angebettelt. Irgendwie scheint das „grangou“ so in aller Köpfe zu sein, dass man kaum was anderes kennt wenn ein Weißer in der Nähe zu sehen ist. „Unsere“ Kinder dagegen rufen uns mit Namen: „Madame Weiss, Madame Conny“, immer wieder aus irgendwelchen Höfen und Gärten.

Fazit: Manche Kinder haben einen Schulweg von über einer Dreiviertelstunde in Erwachsenen-Tempo. Die Kinder leben in zwei Welten. Zuhause gibt es nichts, was irgendwie mit Bildung zu tun hätte. Sie leben irgendwie „wild“. Im Kindergarten wird sehr großen Wert darauf gelegt, dass keine Schimpfwörter gebraucht werden, es werden höfliche Umgangsformen gelehrt, und die Kinder haben Zugang zu Spielsachen, von denen ihre Eltern noch nie gehört haben.

Die Eltern fangen langsam an, die Umgebung und die Dinge wertzuschätzen, Eltern-Engagement ist plötzlich kein großes Problem mehr, da sie täglich mitbekommen, wie gut sich ihre Kinder entwickeln und was sie in diesen eineinhalb Jahren alles gelernt haben.


Viele Grüße

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