Haiti-Kinderhilfe

Kouraj pou lavni - Mut für die Zukunft

Im Zusammenhang mit dem Erdbeben von 2010 und unter dem Einfluss der Berichte über Hilfsorganisationen, deren übereilte Hilfe angeblich eher einer Verschwendung von Spendengeldern gleichgekommen sei, haben viele unserer Spender besonderen Wert darauf gelegt, dass wir Projekte nachhaltig entwickeln und kontrolliert realisieren. Die Spendengelder sollten also möglichst langfristig und sinnvoll eingesetzt werden. Diesem Versprechen fühlen wir uns verpflichtet und glauben mit diesem Projekt eine wirklich tragfähige Alternative zu gestalten.

Wir haben uns aber auch für diese Region auf dem Plateau Central entschieden, weil Hinche direkt an der neuen, sehr gut ausgebauten Straße zwischen Port-au-Prince und Cap Haitien liegt und deshalb von beiden Städten schnell erreichbar ist. Port-au-Prince, und damit der internationale Flughafen, ist nur gute zwei Stunden mit dem Auto entfernt. Von Hinche aus gibt es Sandstraßen in die verschiedenen Orte. Da sich unser Verein bereits in der Region engagiert, haben wir auch einige Verbindungen und sind regional nicht unbekannt, sogar angesehen, weil unsere Schule in Billiguy weitbekannt und geschätzt ist und weil der sehr enge Kontakt zur Frauenföderation in Maissade ebenfalls Türen öffnet. Zudem ist die Region im Landesinneren geschützt gegen die jährlichen Hurrikans und liegt nicht in der erdbebengefährdeten Zone.

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Unsere Biotoiletten – aus Theorie wird Praxis

Freitag, 15 April 2016.
Unsere Biotoiletten – aus Theorie wird Praxis

In Haiti gibt es keine Kläranlagen oder Kanalisation wie wir es kennen. Es ist üblich, dass ein tiefes Loch gegraben wird, darauf die Toilette im Haus gebaut wird und dann ‚passt es‘.
Auf dem Land, oder in den Slums, wird ein Loch gebuddelt, darüber ein Brett gelegt – fertig.
Nach dem Erdbeben hat sich gezeigt, dass der gesamte Untergrund von Port au Prince verschmutzt ist und kein Trinkwasser aus Grundwasserbrunnen genutzt werden konnte.
Wir wollen es nun besser machen – hört sich gut an, aber wie? Wir informierten uns in ‚Toilettenseminaren‘, lasen viel, lernten viel theoretisch. Wassertoiletten wollten wir auf keinen Fall, da Wasser in Haiti eine Rarität ist, die Entsorgung aufwändig und technische Probleme auftreten können. Ein tiefes Loch in die Erde, wie in Haiti üblich, auch nicht, da wir das Grundwasser nicht verschmutzen wollen. Wir ‚lernten‘ , dass Trenntoiletten und Rückführung aller Ausscheidung in die Landwirtschaft das Optimalste sei. Sahen ‚Bausätze‘ im Internet, aber wie sollten wir das in Haiti umsetzen?

Unser Eigenbau eines Pissoirs leitet nun das Pipi über ‚haitianische Verrohrungen‘ und einen Duschschlauch (aus Deutschland) in einen Kanister, der im Boden versenkt wurde. Das klappt sehr gut. Für die Trenntoiletten fanden wir per Internet in England Plastikeinsätze. Verkleinerten diese in Haiti auf ‚Kindergrösse‘. Diese wurden unter der Brille an den Holzsitzen angeschraubt und auch wieder aus Wasserleitungsrohren und Duschschlauch ein Ablauf in einen Plastiktank gebastelt. Aus einem Plastikfarbeimer wurde der Boden entfernt, aufgeschnitten, geweitet. Er wurde als ‚Rückwand‘ ebenfalls an den Holz Sitz geschraubt, damit alles ohne Streuung in die Abfalltonne fällt. Das Entlüftungsrohr verhindert Gerüche. Damit der Kompostierprozess direkt beginnen kann, streuten wir auf den Boden der Abfalltonne ca. 5 cm hoch Erdnussschalen.
In jeder Toilette hängt ein Korb mit organischem Material, z.Zt. mit Bohnenschalen. Es muss nach jedem ‚großen Geschäft‘ eine Handvoll davon in die Toilette geschüttet werden. Auch Toilettenpapier darf direkt in die Toilette entsorgt werden.  Die kleinen Urinauffangbehälter werden in einen großen Plastiktank geleert. Dieser hat einen Wasserhahn, sodass man nach einer gewissen Reifezeit den Flüssigdünger entnehmen und verdünnt verwenden kann. Die Abfalleimer mit Fezes werden in ein großes gemauertes Steinbecken geleert und nochmals mit organischem Material abgedeckt. Das ganze wird über eine lange Zeit in Ruhe gelassen, damit es sich in Kompost umwandeln kann.
Für den Benutzer ist es eine ganz normale, komfortable, geruchsfreie Toilette, die ja regelmäßig saubergemacht werden kann.
Das hört sich jetzt im Nachhinein alles einfach und logisch an, aber es war ein langer Weg, bis zur Umsetzung.
Roswitha Weiss

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Kouraj pou lavni - Mut für die Zukunft

Gelaendeskizze
Vor den Toren der Stadt Hinche beginnt eine von der Regierung Haitis völlig vernachlässigte Region, die auch von den meisten Hilfsorganisationen bislang unbeachtet blieb. Hier ist das Land noch ursprünglich, die Natur zwar ausgebeutet, aber nicht zersiedelt. Die Menschen, wenn auch weitestgehend unterernährt und bettelarm, so doch dankbar für jede Hilfe, die sie erhalten. Wir unterstützen dort bereits mehrere Schulen und haben eine Maniok-Mühle ausgebaut, die für die Versorgung der Schulkinder immens wichtig ist. Immer wieder sind wir begeistert von der Kreativität und Energie dieser Menschen, die nur ein Ziel zu kennen scheinen: ihre Situation zu verbessern.

Für den Anschub des Projektes und für die Realisation der einzelnen Bauabschnitte sind wir gut aufgestellt, dennoch wird uns dieses Projekt auch finanziell in den nächsten Jahren stark beanspruchen. Deshalb werden wir nach wie vor auf die Großzügigkeit unserer Spender und Sponsoren vertrauen müssen.

Ihnen möchten wir unser Projekt ans Herz legen.

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