Haiti-Kinderhilfe

Kouraj pou lavni - Mut für die Zukunft

Im Zusammenhang mit dem Erdbeben von 2010 und unter dem Einfluss der Berichte über Hilfsorganisationen, deren übereilte Hilfe angeblich eher einer Verschwendung von Spendengeldern gleichgekommen sei, haben viele unserer Spender besonderen Wert darauf gelegt, dass wir Projekte nachhaltig entwickeln und kontrolliert realisieren. Die Spendengelder sollten also möglichst langfristig und sinnvoll eingesetzt werden. Diesem Versprechen fühlen wir uns verpflichtet und glauben mit diesem Projekt eine wirklich tragfähige Alternative zu gestalten.

Wir haben uns aber auch für diese Region auf dem Plateau Central entschieden, weil Hinche direkt an der neuen, sehr gut ausgebauten Straße zwischen Port-au-Prince und Cap Haitien liegt und deshalb von beiden Städten schnell erreichbar ist. Port-au-Prince, und damit der internationale Flughafen, ist nur gute zwei Stunden mit dem Auto entfernt. Von Hinche aus gibt es Sandstraßen in die verschiedenen Orte. Da sich unser Verein bereits in der Region engagiert, haben wir auch einige Verbindungen und sind regional nicht unbekannt, sogar angesehen, weil unsere Schule in Billiguy weitbekannt und geschätzt ist und weil der sehr enge Kontakt zur Frauenföderation in Maissade ebenfalls Türen öffnet. Zudem ist die Region im Landesinneren geschützt gegen die jährlichen Hurrikans und liegt nicht in der erdbebengefährdeten Zone.

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7. mail Reise Dezember 2015/Januar 2016

Montag, 01 Februar 2016.
7. mail Reise Dezember 2015/Januar 2016

Hallo.
Hans und David sind Freitagmorgen nach Hause geflogen. Auf der Fahrt von Cap nach Port-au-Prince sahen wir, dass sich einiges tut im Bereich Landwirtschaft. Sehr schön empfand ich, dass es wieder große Reisfelder gibt. Auch sah ich zum ersten Mal kleine Traktoren zum Umgraben der Reisfelder.
Einige Gemüse- und Maisfelder waren vorbildlich angelegt, ich denke es waren Projekte.
Freitag und Samstag war für mich wieder großer Einkaufstag in PaP. Hauptproblem war einmal wieder die Bank, die Schecks zurückgehen ließ, da meine Unterschrift nicht 100%ig war. Ich habe nun eine Kopie meiner offiziellen Unterschrift immer bei mir. Fand vieles in den verschiedenen Baumärkten.

Das Auto war wieder total überladen, bin auch ehrlich - habe immer ein bisschen Angst so mit einem vollen Auto über Land zu fahren, dass ich nicht nochmals überfallen und geplündert werde. Aber alles ging gut und ich kam ohne größere Schwierigkeiten nach Banguage. Als wir vor zwei Wochen die Fensterrahmen verputzen wollten, wurde festgestellt, dass immer noch nicht die Scharniere und Haken für die Fensterläden bestellt waren, Thema vor 6 Monaten.... Unser Schreiner fand nun einen Bekannten aus dem Dorf der angeblich 'wunderbare' Scharniere und Hacken machen würde. Das Muster war absolut grauenhaft. Hans machte ihm Zeichnungen und wir erklärten sehr lange wie wir die Aufhängung, Haken und Scharniere möchten. Er soll ein Muster bringen. Brachte eines aber.....grauenhaft. Großes Versprechen, das Muster sei auf die Schnelle gemacht und die 'Serie' einfach nur wunderschön, er bräuchte eine Anzahlung für das Material und dann kommt das richtige Muster. Wir gaben ihm eine Anzahlung und zwei Tage später kam er mit einem Sack 'Metall' aber so grauenhaft, dass selbst Guerino ihm abriet es uns überhaupt zu zeigen. Erklärungen waren, dass er kein Schweißgerät, eigentlich überhaupt kein Schleifgerät usw. hat. Er hat ein altes Stück Eisen und schlägt darauf unermüdlich Kanteisen flach, bzw. formt aus Baustahl Haken und Scharniere. Er hat nun auch sein Atelier hier 'aufgebaut' und profitiert von unserem neuen Schweißgerät, Schweißdrähten, Strom usw.
Die Maurer machen ihm richtig Druck, da sie erst nach seiner 'Produktion' weitermachen können. Es ist dann zwar nicht wirklich eine schöne Schmiedeeisen Arbeit, sondern lauter Unikate, die sicherlich nach schwarzer Farbe irgendwie rustikal ländlich aussehen werden. Hoffe ich zumindest. Jede Woche müssen zwei Baureparaturen durchgeführt werden. Das Wasserreservat ist jetzt ok. Diese Woche werden die beiden Tore überarbeitet und der Zaun um die Verwaltung.  Das nächste Projekt ist dann die Überarbeitung der Kindergarten Pavillons.
Unser Hühnerstall ist fast fertig und ab Sonntag werden wir dort die Hühner 'einziehen' lassen. Wir haben zwei Ziegenbabys bekommen und die Ziegen sind eigentlich immer um den Hühnerstall. Ich weiß nicht, ob Ziegen neugierig sind. Jedoch wirklich intelligent, denn sie kennen alle Löcher im Kaktuszaun, bzw. fressen auch den Kaktus. So machen wir gerade nochmals einen richtigen Stacheldrahtzaun. Unser Außenbau ist nächste Woche fertig, auch haben wir heute den Aushub der Treppen und der Außen-Küche gemacht. Ich denke es wird vieles bis zu unserer Abreise Mitte Februar fertig werden.
Farah ist wirklich im Dauerstress. Sie versucht die Eltern hier in der Landwirtschaft zu verplanen, speziell gerade in Ihrem geplanten Gemüsegarten, sowie hat ein Elternteam das Aufschütten der Erde und Nivellieren des Geländes im Kindergarten übernommen. Gestern nun endlich konnte Heinz drei Mal mit dem Pickup die ersten Ladungen Rasensoden hole, und es wurde heute Morgen schon ein Teil angepflanzt. Wir denken, wenn die Leute sehen, dass wir das gut bezahlen, werden wir genügend Rasen bekommen. Allerdings müssen wir die Pflanzen selber holen. Die Wege werden mit Fluss-Steinen und Schotter gemacht. Gegenüber des Kindergartens haben wir ein Fußballfeld eröffnet. Es wurde alles eingeebnet, gesäubert und mit Sand nivelliert. Richard ist so das Mädchen für alles. Damit es für den Schreiner schneller geht, macht Richard alle Schraubarbeiten. Ist aber immer noch mit der Wasserleitung beschäftigt.
Jeden Donnerstag ist Markt in Maissade -ein MUSS für jeden. Wir kauften gestern wieder mal Fleisch (Schwein und Rind). Heinz, der als Fahrer immer eingesetzt wird, meint hier auf dem Markt das Fleisch zu sehen überzeugt jeden sofort als Vegetarier zu leben. Er hat seit Ankunft Mitte Dezember wirklich keines gegessen - träumt aber davon, allerdings erst in Deutschland wieder. Wir haben dann gemeinsam alles gewaschen, geschnitten, gekocht und in kleinen Portionen eingefroren. Auch Obst (fast keines) und Gemüse (fast immer das gleiche) kommt vom Markt. Wir sind alle anspruchslos geworden. Ich brachte allerdings ein bisschen was an Wurst, Käse und Butter von Port au Prince mit. Abendessen ist immer gemeinsam in großer Gruppe und nach dem Essen wird auch immer von Farah für die Köchin noch etwas zum essen bereitgestellt. Frühstück macht jeder irgendwie selbst und anders. Meist Kaffee und trockenes Brot, das wir in den Kaffee tunken.
In Port au Prince hatte ich mich mit unseren Studenten, die derzeit im Komité mitarbeiten oder schon früher bei der Organisation des Patenschaftsprogramm geholfen haben, getroffen. Es war der Samstag, an dem die Schecks für die Studiengebühren ausgegeben wurden. Wir waren gemeinsam etwas essen und hatten viel Spaß. Guinter unser Künstler möchte 300 € ausleihen, er will zwei Batterien für sein 'Musik-Studio' kaufen. Ich habe ihm hier den Malerjob über Fasching angeboten, anstelle Kredit.
Guerline hat seit Dezember keine Festanstellung mehr, das Projekt wurde beendet. Sie fährt jetzt mit dem Bus in die Reisanbaugebiete und kauft dort haitianischen Reis auf. Verkauft es dann an die Marktfrauen in Port au Prince. Sind nur kleine Mengen, aber sie kann mit dem Gewinn überleben.
Benson und Rachelle machen beide Ihr letztes Jahr an der Uni. Benson ist noch immer für sTart international tätig und wir haben ihn angeworben hier gegen Bezahlung an Karneval drei Tage Seminar zu machen. Ein Tag für die Eltern und zwei Tage für die Lehrer der benachbarten Schulen. Ich denke, wir werden auch was zum Essen und Trinken organisieren. Wohl eine Ziege und einige Hühner schlachten.
Rachelle hat sich bei UNI Bank beworben. Angeblich hat sie wohl die höchste Punktzahl in den Tests erreicht und wird gerade 'überprüft'. Sie wurde an einen Lügendetektor angeschlossen und stundenlang 'getestet'. Jemand von der Bank war in ihrer mehr als ärmlichen Behausung, und im Viertel erkundigte man sich nach ihr. Rachelle meinte, die Test seien, als wenn sie der neue Finanzchef werden sollte.
Ich hoffe, sie hat Glück und bekommt den Job.
Aber alle unsere Studenten haben sich auch auf Stipendien ins Ausland beworben und alle, außer Laumenaire, der seit Weihnachten verheiratet ist, wollen eigentlich weg.
Guerino war diese Woche in Port au Prince und kommt mit seiner Verlobten heute, sie wird bis Dienstag bleiben. Guivens war ab Dienstag hier und fährt jetzt, Freitagmittag wieder nach Port au Prince, kommt dann wohl am Dienstag wieder.
Das waren ein bisschen unsere Baustellen News.
Euch ein schönes Wochenende
Roswitha

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Vor den Toren der Stadt Hinche beginnt eine von der Regierung Haitis völlig vernachlässigte Region, die auch von den meisten Hilfsorganisationen bislang unbeachtet blieb. Hier ist das Land noch ursprünglich, die Natur zwar ausgebeutet, aber nicht zersiedelt. Die Menschen, wenn auch weitestgehend unterernährt und bettelarm, so doch dankbar für jede Hilfe, die sie erhalten. Wir unterstützen dort bereits mehrere Schulen und haben eine Maniok-Mühle ausgebaut, die für die Versorgung der Schulkinder immens wichtig ist. Immer wieder sind wir begeistert von der Kreativität und Energie dieser Menschen, die nur ein Ziel zu kennen scheinen: ihre Situation zu verbessern.

Für den Anschub des Projektes und für die Realisation der einzelnen Bauabschnitte sind wir gut aufgestellt, dennoch wird uns dieses Projekt auch finanziell in den nächsten Jahren stark beanspruchen. Deshalb werden wir nach wie vor auf die Großzügigkeit unserer Spender und Sponsoren vertrauen müssen.

Ihnen möchten wir unser Projekt ans Herz legen.

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