Haiti-Kinderhilfe

Kouraj pou lavni - Mut für die Zukunft

Im Zusammenhang mit dem Erdbeben von 2010 und unter dem Einfluss der Berichte über Hilfsorganisationen, deren übereilte Hilfe angeblich eher einer Verschwendung von Spendengeldern gleichgekommen sei, haben viele unserer Spender besonderen Wert darauf gelegt, dass wir Projekte nachhaltig entwickeln und kontrolliert realisieren. Die Spendengelder sollten also möglichst langfristig und sinnvoll eingesetzt werden. Diesem Versprechen fühlen wir uns verpflichtet und glauben mit diesem Projekt eine wirklich tragfähige Alternative zu gestalten.

Wir haben uns aber auch für diese Region auf dem Plateau Central entschieden, weil Hinche direkt an der neuen, sehr gut ausgebauten Straße zwischen Port-au-Prince und Cap Haitien liegt und deshalb von beiden Städten schnell erreichbar ist. Port-au-Prince, und damit der internationale Flughafen, ist nur gute zwei Stunden mit dem Auto entfernt. Von Hinche aus gibt es Sandstraßen in die verschiedenen Orte. Da sich unser Verein bereits in der Region engagiert, haben wir auch einige Verbindungen und sind regional nicht unbekannt, sogar angesehen, weil unsere Schule in Billiguy weitbekannt und geschätzt ist und weil der sehr enge Kontakt zur Frauenföderation in Maissade ebenfalls Türen öffnet. Zudem ist die Region im Landesinneren geschützt gegen die jährlichen Hurrikans und liegt nicht in der erdbebengefährdeten Zone.

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6. mail Reise Dezember 2015

Montag, 25 Januar 2016.
6. mail Reise Dezember 2015

Hallo.
Irgendwie wollte ich schon lange schreiben, aber immer wieder waren die Tage fertig und wir alle entsprechend platt. David und Hans wandern gerade zur Zitadelle und ich bin am Parkplatz und 'sortiere' mich ein bisschen. Sind heute Morgen um 8 Uhr in unserem 'Camp' gestartet und kamen kurz vor 14 Uhr an der Zitadelle im Norden von Haiti an. Wir hatten einen Schnitt von 20 km in der Stunde, da die Straße unvorstellbar schlecht ist. Ich hatte es aber Hans in Deutschland versprochen und wir haben es auch geschafft. Morgen müssen wir allerdings vom Norden nach Port au Prince, da beide am Freitag nach Deutschland zurück fliegen. Hans bedauert es zutiefst und meinte, dass er das Gefühl hat, erst einige Tage hier zu sein.
Kindergarten: Läuft sehr gut.

Wir haben eine Wanne unter den Bereich der Schaukeln und Kletterringe gegraben. Werden nun noch die Stützpfosten setzen und dann die Querstange zwischen zwei Mangobäume aufhängen. In die Wanne kommt Sand, sowie Hobelspäne und Bohnenschalen. Einige Eltern haben nun für ca. 350 € übernommen, das gesamte Gelände von der schlechten Erde zu befreien, Unkraut zu entfernen und Erde, die wir vom Aushub des Wasserreservats gelagert hatten zu verteilen. Alle Projekte gehen nur, wenn man einen 'Preis' für den Auftrag aushandelt. Bei Tageslohn läuft gar nichts. Ist halt hinterher immer noch ein langes Handeln, dass die Arbeit besser ausgeführt sein müsste und nachgearbeitet werden muss.
Die Kinder sind wirklich glücklich im Kindergarten. Kommen morgens singend und strahlend und manche weinen, wenn sie nach Hause müssen, da sie noch weiterspielen wollen.
Lehrer: Noch ein langer Weg. Es wird gerade erklärt was ein Dreieck und Viereck ist. Kann ja sehr schön im Spiel mit den Klötzen erklärt werden. Die Lehrer waren aber der Meinung, dass man es über Zahlen vermitteln müsste. Farah konnte sie nicht überzeugen, dass ein Kind in diesem Alter noch kein Verständnis für abstrakte Mengen und Zahlen hat. Es gab lange Diskussionen, und Farah wird nochmals intensive Weiterbildung jeden 2. Samstag mit den Lehrern machen. Ich denke Farah ist nachmittags immer richtig platt. Hat an sich selber einen hohen Anspruch für den Unterricht, will das Gelände auf den Kopf stellen, ebenso haben wir täglich mindestens 10 Eltern, die ihren 'Tag des Engagements' einbringen wollen. Man muss sich um diese Eltern kümmern, Arbeitsmaterial, sowie das Aufgabengebiet festlegen. Aber Farah wächst mit der Aufgabe und wird sicherlich noch organisierter. Mit dem Projekt Kindergarten bin ich sehr positiv.
Baustelle:
Hatte mit allen Teams am Sonntag lange und intensive Planung welcher Arbeitsgang nacheinander gemacht wird, welche Arbeiter usw. Es könnte möglich sein, dass wir bis zu meiner Abreise fertig werden könnten. Für die Leute hier ist es schon exotisch, als ich einen Kalender nahm und immer fragte, 'sag mir bis wann', dann bekam jeder ein Schulheft, Kuli, und es wurde alles festgehalten. Es geht eigentlich recht gut voran, aber bei vielen Dingen sträuben sich die Haare von Hans. Schon lange hätten die Haken und Aufhängungen für Türen und Fensterläden bestellt werden sollen. Jetzt wo alle Maurer eigentlich fertig wären, fehlt dieses Material. Suchen nach einem Handwerker, handeln und erklären was wir wollen und hoffen, dass es klappt. Ein riesiges Problem sind die Schweißarbeiten. Einerseits ist das Schweißgerät von Guivens nur noch Schrott. Wir konnten eines im Dorf mieten. Am vierten Tag kamen zwei nicht insolierte Drähte im Motor zusammen und der Motor verbrannte -alles verschmolzen. Richard außer sich, da man eben auch sein Handwerkszeug kontrollieren muss, generell passt hier keiner auf Material auf. Sicherlich wird der Vermieter nun von uns einige Tausend US $ für ein neues Gerät verlangen. Ging lange hin und her und betretene Gesichter. Der Mietvertrag war auf den Namen des Schweißers Fequi. Mehrere Handwerker und Fequi fuhren mit Heinz, alle sehr bang, ins Dorf. Jedoch völlig überraschend, der Eigentümer schaute sich den Schaden nicht mal an, sondern meinte 'ich weiß schon, der Mechaniker hat wieder gepfuscht'. Er würde nach der Reparatur anrufen und dann könnten wir ihn wieder mieten. Was in der Zwischenzeit auch geschehen ist und Richard immer noch total verwundert über die Reaktion ist.  Die Handwerker arbeiten mit den allereinfachsten Mitteln. Unmöglich unseren Qualitätsansprüchen gerecht zu werden. Sicherlich wird alles bald fertig sein, sicherlich auch alles nachgebessert werden, aber irgendwie unnötiger Ärger.
Die vielen Baumängel hier im Hotel in Cap, einfach alles nur grausig – es war für Hans nochmals eine ganz spezielle Besichtigungstour, hat uns dann aber mit unseren Mängeln erst mal ein wenig versöhnt.
Liebe Grüße
Roswitha

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Gelaendeskizze
Vor den Toren der Stadt Hinche beginnt eine von der Regierung Haitis völlig vernachlässigte Region, die auch von den meisten Hilfsorganisationen bislang unbeachtet blieb. Hier ist das Land noch ursprünglich, die Natur zwar ausgebeutet, aber nicht zersiedelt. Die Menschen, wenn auch weitestgehend unterernährt und bettelarm, so doch dankbar für jede Hilfe, die sie erhalten. Wir unterstützen dort bereits mehrere Schulen und haben eine Maniok-Mühle ausgebaut, die für die Versorgung der Schulkinder immens wichtig ist. Immer wieder sind wir begeistert von der Kreativität und Energie dieser Menschen, die nur ein Ziel zu kennen scheinen: ihre Situation zu verbessern.

Für den Anschub des Projektes und für die Realisation der einzelnen Bauabschnitte sind wir gut aufgestellt, dennoch wird uns dieses Projekt auch finanziell in den nächsten Jahren stark beanspruchen. Deshalb werden wir nach wie vor auf die Großzügigkeit unserer Spender und Sponsoren vertrauen müssen.

Ihnen möchten wir unser Projekt ans Herz legen.

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