Haiti-Kinderhilfe

Kouraj pou lavni - Mut für die Zukunft

Im Zusammenhang mit dem Erdbeben von 2010 und unter dem Einfluss der Berichte über Hilfsorganisationen, deren übereilte Hilfe angeblich eher einer Verschwendung von Spendengeldern gleichgekommen sei, haben viele unserer Spender besonderen Wert darauf gelegt, dass wir Projekte nachhaltig entwickeln und kontrolliert realisieren. Die Spendengelder sollten also möglichst langfristig und sinnvoll eingesetzt werden. Diesem Versprechen fühlen wir uns verpflichtet und glauben mit diesem Projekt eine wirklich tragfähige Alternative zu gestalten.

Wir haben uns aber auch für diese Region auf dem Plateau Central entschieden, weil Hinche direkt an der neuen, sehr gut ausgebauten Straße zwischen Port-au-Prince und Cap Haitien liegt und deshalb von beiden Städten schnell erreichbar ist. Port-au-Prince, und damit der internationale Flughafen, ist nur gute zwei Stunden mit dem Auto entfernt. Von Hinche aus gibt es Sandstraßen in die verschiedenen Orte. Da sich unser Verein bereits in der Region engagiert, haben wir auch einige Verbindungen und sind regional nicht unbekannt, sogar angesehen, weil unsere Schule in Billiguy weitbekannt und geschätzt ist und weil der sehr enge Kontakt zur Frauenföderation in Maissade ebenfalls Türen öffnet. Zudem ist die Region im Landesinneren geschützt gegen die jährlichen Hurrikans und liegt nicht in der erdbebengefährdeten Zone.

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2. mail Reise Dezember 2015

Donnerstag, 31 Dezember 2015.
2. mail Reise Dezember 2015

Hallo.
Heute fängt schon unsere 3. Woche an und Hans und Richard sind in totaler Panik, dass die verbleibenden drei Wochen wohl nicht ausreichen für all die notwendigen Reparaturen, die noch zu erledigen sind.

Wir fuhren letzten Sonntag nach Port-au-Prince. Waren Montag und Dienstag, gestresst vom Verkehr, in diversen Geschäften um die Ersatzteile für die Wasserleitung zu finden. Das große Problem waren zwei Rohrzangen und ein Schraubstock – wir fanden aber beides. Obwohl wir bei Böttichers traumhaft untergebracht sind, war Richard so vom Verkehr frustriert, dass wir am Dienstag spätnachmittags wieder nach Banguage fuhren. Das Argument war, lieber auf einer Baustelle unter Sternenhimmel, als in diesem Lärm von Port-au-Prince.
Fakt ist, dass alle verlegtem Rohre, überall undicht sind. Nicht nur undicht, sondern es wurden die Rohre einfach so schlampig über das Gelände gezogen, dass sie überall innen verschmutzt sind und der Wasserfluss eingeschränkt. Weiteres Problem ist, dass die Gewinde der noch neuen Rohre fast alle beschädigt sind, hier aber niemand einen Gewindeschneider hat, um diese
nachzuarbeiten. Um bei den neu gekauften Metallrohre die Gewinde zu schützen, gaben wir dem Fahrer für jedes Rohr eine Metallkappe mit, um diese vor dem Verladen auf das Gewinde zu schrauben. Um ja doppelt abgesichert zu sein, kaufte nun Richard in dem Geschäft wo wir
auch die Rohre kauften nochmals für jedes Rohr Kappen, und der Verkäufer versprach, dass die Kappen wirklich auf die Gewinde geschraubt werden, bevor sie verladen werden. Leider trotz doppelter Absicherung holte uns wieder die haitianische Realität ein. Der Fahrer lieferte nur vier Rohre mit Kappen an, die restlichen Kappen in einer Papiertüten mit dem Argument, dass die
sich nicht auf die schlechten Gewinde schrauben ließen. Ein galvanisiertes Rohr kam gebogen an, der Fahrer erklärte, er wäre sonst nicht unter das Tor der Baumarktes gekommen. Also, anstelle abladen und dann nach dem Tor wieder aufladen, wurde das Rohr einfach gebogen.
Hans und Richard sind von Sonnenaufgang bis -untergang mit nur zwei Helfern, die hacken und schaufeln, damit beschäftigt ein Wasserverteilungssystem zu installieren. Gott sei Dank hat Richard zwei Gewindeschneider mitgenommen, obwohl dieses Werkzeug fast so schwer wie ein Gepäckstück war. Aber ohne dies und ohne die Gott sei Dank gefunden Zangen und den Schraubstock, wäre es unmöglich.  Guivens, unser Ingenieure ist bis nach dem 6.1. in Weihnachtsurlaub. Guerino, unser 2. Verantwortliche, war eine Woche in Urlaub und soll hoffentlich heute wieder kommen. Nachdem wir ja zum Arbeiten hier sind, haben wir uns die Arbeiter aus der Umgebung organisiert. Alle Arbeiter, aus PaP wurden ausbezahlt und wir werden die restlichen Bauarbeiten mit den Leuten aus der Region fertigstellen.
Wir gießen täglich zwei Mal den gesamten Kindergarten-Außenbereich und man sieht schon die ersten Erfolge, hoffentlich wird es noch grüner in den nächsten Wochen. Heinz ist dafür verantwortlich. Auch ist gerade Bohnenernte. David und ich helfen mit, die Bohnen zu sortieren. Markt gibt es hier einmal am Donnerstag. Entweder man hat was gekauft oder muss halt eine Woche warten. David hat so Träume einer neuen Jeans, oder auch Feuerzeug....wie gesagt, hier in der Gegend - wirklich Träume. Wir machen alle so richtig Basisarbeit. Ich war z.B. einen Tag lang nur beschäftigt, unsere Zudecken zu flicken. Nachdem die Wäscherinnen, alles im Fluss 'stone washed' reinigen, geht auch vieles kaputt.  Unser Menü-Plan ist immer noch sehr 'rural'.
Frühstück - Kaffee wir tunken Brot, ist meist schon einige Tage alt. Da wir nur 1 x wöchentlich zur Bäckerei gehen. Außer David, er isst morgens - mittags - abends Reis mit Bohnen.
Sehr zum Schock aller, ließ ich eine Ziege schlachten und portionieren, und auch wieder ein Huhn. Wir fanden Kartoffeln auf dem Markt. Werden immer irgendwie satt. Morgen werden wir aus unseren "Nobelsuiten" auf der Baustelle ausziehen und einige Tage unter freiem Himmel auf dem Wasserreservoir schlafen, da im Haus angefangen wird Decke und Wände abzuschmirgeln.
Irgendwie haben wir alle keine Zeit und keine Lust zum Fotografieren und auch Mails zu  schreiben. Deutschland, oder die ganze Welt ist für uns weit weg. Auch funktioniert das Internet nur manchmal, bzw. dann sehr erschwert.
Euch liebe Grüße.
Roswitha und Alle

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Kouraj pou lavni - Mut für die Zukunft

Gelaendeskizze
Vor den Toren der Stadt Hinche beginnt eine von der Regierung Haitis völlig vernachlässigte Region, die auch von den meisten Hilfsorganisationen bislang unbeachtet blieb. Hier ist das Land noch ursprünglich, die Natur zwar ausgebeutet, aber nicht zersiedelt. Die Menschen, wenn auch weitestgehend unterernährt und bettelarm, so doch dankbar für jede Hilfe, die sie erhalten. Wir unterstützen dort bereits mehrere Schulen und haben eine Maniok-Mühle ausgebaut, die für die Versorgung der Schulkinder immens wichtig ist. Immer wieder sind wir begeistert von der Kreativität und Energie dieser Menschen, die nur ein Ziel zu kennen scheinen: ihre Situation zu verbessern.

Für den Anschub des Projektes und für die Realisation der einzelnen Bauabschnitte sind wir gut aufgestellt, dennoch wird uns dieses Projekt auch finanziell in den nächsten Jahren stark beanspruchen. Deshalb werden wir nach wie vor auf die Großzügigkeit unserer Spender und Sponsoren vertrauen müssen.

Ihnen möchten wir unser Projekt ans Herz legen.

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