Haiti-Kinderhilfe

Kouraj pou lavni - Mut für die Zukunft

Im Zusammenhang mit dem Erdbeben von 2010 und unter dem Einfluss der Berichte über Hilfsorganisationen, deren übereilte Hilfe angeblich eher einer Verschwendung von Spendengeldern gleichgekommen sei, haben viele unserer Spender besonderen Wert darauf gelegt, dass wir Projekte nachhaltig entwickeln und kontrolliert realisieren. Die Spendengelder sollten also möglichst langfristig und sinnvoll eingesetzt werden. Diesem Versprechen fühlen wir uns verpflichtet und glauben mit diesem Projekt eine wirklich tragfähige Alternative zu gestalten.

Wir haben uns aber auch für diese Region auf dem Plateau Central entschieden, weil Hinche direkt an der neuen, sehr gut ausgebauten Straße zwischen Port-au-Prince und Cap Haitien liegt und deshalb von beiden Städten schnell erreichbar ist. Port-au-Prince, und damit der internationale Flughafen, ist nur gute zwei Stunden mit dem Auto entfernt. Von Hinche aus gibt es Sandstraßen in die verschiedenen Orte. Da sich unser Verein bereits in der Region engagiert, haben wir auch einige Verbindungen und sind regional nicht unbekannt, sogar angesehen, weil unsere Schule in Billiguy weitbekannt und geschätzt ist und weil der sehr enge Kontakt zur Frauenföderation in Maissade ebenfalls Türen öffnet. Zudem ist die Region im Landesinneren geschützt gegen die jährlichen Hurrikans und liegt nicht in der erdbebengefährdeten Zone.

IMG 2700

11. mail Reise Dezember 2015/Februar 2016

Sonntag, 28 Februar 2016.
11. mail Reise Dezember 2015/Februar 2016

Hallo,
unser Abflugtag rückt näher und die Zeit rennt uns davon. Meine letzten Eindrücke zu meinen 10 Wochen Haiti Baustelle. Treffe mich mit Pater Nerilus und Jean Claude. Treffe mich mit Lailen wegen Seeds. Sie Ist sofort damit einverstanden, dass sie künftig alle Unterlagen für das Patenschaft-Programm selber zusammenstellen muss. Sie möchte aber nochmals genaue Erklärungen. Farah hat mit den zwei Nachbarschulen, unseren Lehrern und den Lehrern von Billiguy ein Seminar für zwei Tage geplant, sowie einen Tag Treffen mit Eltern. Farah plant und wir besprechen die Themen, es wird erst ab Faschingssonntag starten. Farah hielt ein wunderbares Seminar ab, wir organsierten Essen und Trinken und alle waren dankbar für die gemeinsamen Stunden. Am Aschermittwoch waren alle Eltern eingeladen und Farah und Guerino diskutieren den ganzen Morgen mit ihnen. Über die Sicherheit des Kindergartens, unser Konzept, die Eltern Mitarbeit, sowie die Eltern die Entwicklung ihrer Kinder sehen. Muss sehr, sehr positiv gewesen sein und sollte alle zwei Monate wiederholt werden. Parallel kämpften wir auf der Baustelle. Ich wollte bei Abreise keine Handwerker mehr dort haben und alles muss weggesperrt sein.

Alles geht langsam, dann noch an fünf Tagen immer wieder Regen. Völlig ungewöhnlich, es wird kühler und alle erstarren.  Richard wird zum 2. Mal richtig krank. Er hatte es schon einmal und mit Antibiotika ging es ihm nach einigen Tagen wieder besser. Er kann kaum gehen, schläft auch tagsüber, hohes Fieber, kann sich fast nicht rühren, wechselt alle paar Stunden die nassen Klamotten. Mein Antibiotika ist nach zwei Tagen aus, aber noch keine Besserung. Er weigert sich aber nach Port au Prince oder Hinche ins Krankenhaus zu fahren. Ich kämpfe die ganzen Tage gegen Weinkrämpfe, bin eh vollkommen  durch den Wind. Per Telefon berät mich Lailen aus Port au Prince. Jo, das Motorrad Taxi muss nach Hinche fahren und die Medikamente suchen. Findet beide, allerdings ohne Verpackung und ich bin mir nicht sicher, wie alt, oder wie unecht die Medikamente sind. Aber nach einigen Tagen geht es Richard besser, die Rückreise sollten wir schaffen. Durch Richards Krankheit sind einige Sachen liegengeblieben - ist halt so.  Das Dach wird fertig, allerdings langt das Holz nicht um die Innenwände zu verkleiden. Das Holz ist zwar schon vor einem Jahr bezahlt, aber nie geliefert worden.  Wir lassen das Gerüst noch stehen und Boss Charles wird sich in den nächsten Wochen um weiteres Holz kümmern. Endlich am letzten Samstag die letzte Lohnabrechnungen für alle Arbeiter..... Dazwischen ohne Stopp unsere Grasverkäufer. Jetzt ist das Angebot schon so groß, dass jeder bereit ist auch den Boden aufzuhacken oder Erde aufzuschütten.
Alle 30 Minuten muss ich zählen und es gehen locker 450 Grassoden auf die Ladefläche. Nachdem man weiß, dass ab Sonntag die Baustelle zu ist, kommen die Leute mit Eseln und Motorrädern. Ja, der Grasverkauf war für die Leute ein unerwarteter Geldsegen. Können Schulgeld bezahlen, Tiere kaufen, einer ging nach Port au Prince zu seiner Familie, jeder war wie im Goldrausch - im Grasrausch. Man brachte uns immer schöne Muster in der vereinbarten Größe. Allerdings waren dann die gelieferten Teile meist kleiner und es gab immer wieder Diskussionen. Auch unter den Leuten, bei wem nun abgeholt werden soll. Die fünf Tage Regen waren natürlich wunderbar für das Gras, es muss allerdings ab jetzt nun täglich gegossen werden. Es könnte wunderschön werden, mal abwarten.  Der Schreiner versucht schon seit Tagen Türen und Fensterläden einzubauen. Wir haben provisorische Halterungen gefunden. Aber nichts passt.  Obwohl tagelang an einem Türrahmen gemörtelt wurde, alles mit Schnur und Wasserwaage - ist nichts im Lot. Kein Fenster, keine Tür.
Wir versuchen so viel wie möglich zu improvisieren, dass wenigstens Farah und Guerino in je ein  Zimmer einziehen können. Toiletten sind auch noch nicht ganz fertig.  Guivens ist mit seinem Vorarbeiter noch am Montag beschäftigt, am verpfuschten Zaun das Tor irgendwie zu integrieren. Aber nachdem er, sowie der Schweißer ihre Schecks haben, wir  noch alle Ziegen abgekauft haben, wollen alle nur heim nach Port au Prince. Jetzt sind wir nur noch mit einer kleinen Gruppe und räumen auf, sortieren alles Holz, Metall, einfach alles was auf der Baustelle ist. Der Schreiner ist mehr als böse, da ich ihm nur einen Teil bezahle. Wir lagern alles ein und schaffen es dank unserer Solarlampen. Es muss nur noch ein bisschen Bauholz von Guerino sortiert und in das Lager der Container geräumt werden. Aber selbst am Abreisetag Mittwoch, kamen wieder Bauarbeiter, speziell der Vormann. Für ihn völlig unverständlich, dass er hier nicht jeden Tag kommen kann, wie die letzten Jahre und auch immer alles abernten, sein Motorrad waschen und jeder seine Handys laden. Ich denke das wird noch ein Kampf werden, bis die Barriere wirklich immer zu ist und nicht jeder kommen und gehen kann wie er will und es in der Vergangenheit konnte.
Wir wollten Mittwochfrüh fahren, schafften es aber erst nach 13 Uhr, da noch jeder was wollte, benötigte, usw....kamen abends in Port au Prince an, fielen nach Mitternacht ins Bett und starteten am Donnerstag um 6 Uhr im Hotel.
Sind wieder hier in Deutschland, aber mit so viel unerledigtem 'Gepäck' und auch mit vielen Fragezeichen für mich.
Wir sind am 12.12. abgereist, es war schon Mords hektisch vorher mit unserem ganzen Gepäck und der Organisation. Haben vom 13.Dezember  bis Abreise am 17.Februar jeden Tag, egal ob Weihnachten, oder Neujahr von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang körperlich gearbeitet, auch einen extremen mentalen Stress gehabt. Nicht mal einen halben Tag oder Stunden zum Durchschnaufen, oder wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Ich denke, wir hatten auch im Verhalten untereinander einen Lagerkoller. Hans war ebenfalls  eine  Woche krank und platt nach seiner Ankunft, Richard ist in ärztlicher Behandlung. Heinz hat einen totalen Kulturschock zu verarbeiten.  Bei unserem Projekt liegt jetzt viel in den Händen von Farah, Guerino und den Leuten der Region.
Roswitha

Grasanlieferung mit Esel

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.

Kouraj pou lavni - Mut für die Zukunft

Gelaendeskizze
Vor den Toren der Stadt Hinche beginnt eine von der Regierung Haitis völlig vernachlässigte Region, die auch von den meisten Hilfsorganisationen bislang unbeachtet blieb. Hier ist das Land noch ursprünglich, die Natur zwar ausgebeutet, aber nicht zersiedelt. Die Menschen, wenn auch weitestgehend unterernährt und bettelarm, so doch dankbar für jede Hilfe, die sie erhalten. Wir unterstützen dort bereits mehrere Schulen und haben eine Maniok-Mühle ausgebaut, die für die Versorgung der Schulkinder immens wichtig ist. Immer wieder sind wir begeistert von der Kreativität und Energie dieser Menschen, die nur ein Ziel zu kennen scheinen: ihre Situation zu verbessern.

Für den Anschub des Projektes und für die Realisation der einzelnen Bauabschnitte sind wir gut aufgestellt, dennoch wird uns dieses Projekt auch finanziell in den nächsten Jahren stark beanspruchen. Deshalb werden wir nach wie vor auf die Großzügigkeit unserer Spender und Sponsoren vertrauen müssen.

Ihnen möchten wir unser Projekt ans Herz legen.

mehr Infos Ich möchte das Projekt unterstützen

  • Gelaendeskizze
  • Verkaeufer
  • Gelaendeskizze