Haiti-Kinderhilfe

Kouraj pou lavni - Mut für die Zukunft

Im Zusammenhang mit dem Erdbeben von 2010 und unter dem Einfluss der Berichte über Hilfsorganisationen, deren übereilte Hilfe angeblich eher einer Verschwendung von Spendengeldern gleichgekommen sei, haben viele unserer Spender besonderen Wert darauf gelegt, dass wir Projekte nachhaltig entwickeln und kontrolliert realisieren. Die Spendengelder sollten also möglichst langfristig und sinnvoll eingesetzt werden. Diesem Versprechen fühlen wir uns verpflichtet und glauben mit diesem Projekt eine wirklich tragfähige Alternative zu gestalten.

Wir haben uns aber auch für diese Region auf dem Plateau Central entschieden, weil Hinche direkt an der neuen, sehr gut ausgebauten Straße zwischen Port-au-Prince und Cap Haitien liegt und deshalb von beiden Städten schnell erreichbar ist. Port-au-Prince, und damit der internationale Flughafen, ist nur gute zwei Stunden mit dem Auto entfernt. Von Hinche aus gibt es Sandstraßen in die verschiedenen Orte. Da sich unser Verein bereits in der Region engagiert, haben wir auch einige Verbindungen und sind regional nicht unbekannt, sogar angesehen, weil unsere Schule in Billiguy weitbekannt und geschätzt ist und weil der sehr enge Kontakt zur Frauenföderation in Maissade ebenfalls Türen öffnet. Zudem ist die Region im Landesinneren geschützt gegen die jährlichen Hurrikans und liegt nicht in der erdbebengefährdeten Zone.

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10. mail Reise Dezember 2015/Februar 2016

Samstag, 27 Februar 2016.
10. mail Reise Dezember 2015/Februar 2016

Hallo.
Bin gerade wieder für zwei Tage in Port au Prince um die letzten Einkäufe zu machen. Es fehlten viele Kleinigkeiten, sowie Rohre für die Entlüftung der Toiletten. Rohre zu transportieren ist allerdings eine Strafe. Von der Stadt aus, fahre ich ja immer noch bergaufwärts, wenn ich die Rohre über das ‚Führerhaus‘ anbinde, komme ich nicht bei den Ein und Ausfahrten durch. Klappte aber, musste aber immer wieder anhalten und nachbinden.

Treffe mich heute nochmals mit Nerilus und Jean Claude von Bellanger, sowie mit Lailen von Seeds. Noch immer fehlen Unterlagen für beide Schulprojekte –es ist die unendliche Geschichte. Guerino fuhr mit mir nach Port au Prince, da er ja im Vorbereitungsstress für seine Hochzeit ist. Unter anderem benötigt er eine Genehmigung der Regierung zur kirchlichen Trauung. Er war nun bei der Finanzbehörde in Port au Prince (hier ist ja alles zentralisiert), bezahlte auch alle Gebühren, aber dann war das Formular nicht vorrätig und er muss in zwei Wochen nochmals hin, da sollte dann auch das Formular wieder da sein!!!! Er ist schon ganz bange, dass seine Hochzeit nicht klappen könnte.
Wir sprechen in Deutschland immer von Rassismus, aber auch ich erlebe ihn hier jeden Tag. Sicherlich in einer anderen Weise. Z.B. dass alles was ich kaufen will mindestens doppelt so teuer ist. Autofahren, speziell in gewisse Richtungen ist immer Stau, leider gibt es keine Umfahrungen. Ich habe da immer Mitleid mit der Kupplung und hoffe, dass sie ja nicht plötzlich den Geist aufgibt. Aber an all diesen bekannten Stau-Strassen, bzw. -Kreuzungen, sind Unmengen ‚Auto-Wäscher‘, die sich mit einem dreckigen Lappen auf das Auto stürzen und Geld wollen. Als Weiße ist man da wie ein Magnet, oftmals 6 Wascher gleichzeitig, falls ich nichts bezahle, habe ich vielleicht einen Platten, oder der Außenspiegel ist weg und es wird auch immer genau geschaut, was ich immer auf der Ladefläche alles habe. Port au Prince – Einkaufen, einfach nur ein Graus.
Unser Projekt wird langsam, aber eben nicht fertig. Allerdings werde ich nächste Woche Samstag die Baustelle einstellen. Wir haben die irrsten Diskussionen. Der Schreiner, der ja schon seit Monaten dort eine Art Atelier hat und auch nur manchmal kommt, alles bei Sonne und Regen rumliegt, ist speziell. Er brachte die Fenster- und Türläden. An den Kanten total abgesplittert. Auf meinen Einwand, das müsste aber abgehobelt und poliert sein, war sein Argument, dass sein Sägeblatt kaputt sei und es deshalb nicht besser gehe. Weitere Diskussion war, dass das Holz gegen Termiten eingelassen werden soll und danach lackiert werden muss. Sein Argument ist, das seien rustikale Türen, die werden weder gehobelt noch eingelassen. Wenn ich es wolle, müsste ich es selber machen. Er sei Schreiner und stelle sie nur her. Wobei Richard ihm alle Schrauben mit unserem Schrauber reinschraubte, da er es selber nicht konnte und er sonst hätte mit der Hand schrauben müssen. Aber das zählt einfach nichts. Eigentlich wollten wir ja noch Regale und Tische machen lassen. Aber das stelle ich mal alles zurück, bis die Fensterläden und Türen fertig sind. Vielleicht müssen wir uns dann einen anderen Schreiner suchen.
Eigentlich bin ich seit Wochen nur den ganzen Tag am rumdiskutieren, bin richtig platt. Ich will nur noch so viel als möglich fertig machen und dann die Baustelle bis zum nächsten Aufenthalt einstellen. Wir werden irgendwann ganz fertig werden – so oder so. Alle Mörtelarbeiten werden im Verwaltungsbereich bis Mitte nächster Woche fertig sein. Machen dann noch außerhalb das Lager für die Toilettenentsorgung und ein kleines Depot für Farah im Kindergarten. Das Dach sollte fertig werden, mit den Malerarbeiten im Haus ist begonnen, die Fenster sind eingebaut. Der Rest wird verschoben. Wir haben angefangen im ersten Stock das Holzskelett zu machen und unter Umständen schaffen wir es noch die ersten Bretter anzuschrauben, aber auch da muss der Rest dann einfach warten. Für mich ganz wichtig ist der Kindergarten, der Spielplatz und die dortigen Toiletten und Handwaschstationen, die immer noch nicht fertig sind. War so selten und dann auch nur wegen den Bausachen, bzw. Bodennivellierung und Gras im Kindergarten, fast nie während des Unterrichts und ich muss endlich unsere Patenkinder per Fotos erfassen. Müssen auch noch einen Tag nach Billiguy fahren und dort Verschiedenes reparieren. Unser Hühnerstall ist fertig und die Hühner sind seit einigen Tagen dort eingesperrt. Werden dort gefüttert und sollen 10 Tage drinbleiben, damit sie sich an den Stall gewöhnen können. Danach dürfen sie tags wieder frei rumlaufen und sollten nur abends in den Stall gehen. Für die ‚Mutter mit Kind‘ haben wir extra abgeteilt, da anscheinend oftmals andere Hühner die Küken töten. In zwei Nestern waren auch schon je drei Eier, die bebrütet werden. Farah organisiert zu unserem ganzen sonstigen Wahnsinn ein Seminar (Pädagogik, Didaktik) für zwei Tage. Eingeladen sind an einem Tag die Lehrer von vier Schulen. Am anderen Tag die Eltern. Es muss Essen für alle eingekauft werden und alles vorbereitet werden. Ich konnte es ihr nicht ausreden – wir werden es schon schaffen.
Liebe Grüße
Roswitha

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Kouraj pou lavni - Mut für die Zukunft

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Vor den Toren der Stadt Hinche beginnt eine von der Regierung Haitis völlig vernachlässigte Region, die auch von den meisten Hilfsorganisationen bislang unbeachtet blieb. Hier ist das Land noch ursprünglich, die Natur zwar ausgebeutet, aber nicht zersiedelt. Die Menschen, wenn auch weitestgehend unterernährt und bettelarm, so doch dankbar für jede Hilfe, die sie erhalten. Wir unterstützen dort bereits mehrere Schulen und haben eine Maniok-Mühle ausgebaut, die für die Versorgung der Schulkinder immens wichtig ist. Immer wieder sind wir begeistert von der Kreativität und Energie dieser Menschen, die nur ein Ziel zu kennen scheinen: ihre Situation zu verbessern.

Für den Anschub des Projektes und für die Realisation der einzelnen Bauabschnitte sind wir gut aufgestellt, dennoch wird uns dieses Projekt auch finanziell in den nächsten Jahren stark beanspruchen. Deshalb werden wir nach wie vor auf die Großzügigkeit unserer Spender und Sponsoren vertrauen müssen.

Ihnen möchten wir unser Projekt ans Herz legen.

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