Haiti-Kinderhilfe

Reise 2017/2018 - 4. Bericht

Sonntag, 17 Dezember 2017.

Unsere haitianischer Alltag…….                   4. Reisebericht

Sind schon die 3. Woche hier. Alle drei komplett in Haiti ‚eingetaucht‘ und Deutschland erscheint uns, wie ein ‚anderer Stern - ganz weit weg.‘

Jara 22 Jahre, in Haiti geboren, in Deutschland aufgewachsen, will 4 Monate im Kindergarten und Schule mithelfen. War am Anfang unsicher, da ihr Schulfranzösisch vorher nie wirklich zum Einsatz kam. Versteht aber jetzt schon alles, auch das Sprechen klappt sehr gut. Startete bei den ganz Kleinen im Kindergarten, versucht jeden Tag unseren Schulkindern das Flöten spielen beizubringen und turnt mit allen Kindern. Jara kam mit Ihrer Geige und alle sind fasziniert, welch wunderbare Klänge sie zaubern kann.

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Sie packte 140 kleine Tüten mit etwas Süßem für die Weihnachtsfeier.

4. Jara der Weihnachtsmann

Sie bindet fleißig mit mir über 100 Bücher ein. Farah kaufte die Bücher auf den verschiedenen Märkten. Sie werden Teil unsere öffentliche Bibliothek für Kinder sein. Jara liebte sofort haitianisches Essen, womit sich Richard nach 40 Jahren immer noch schwertut. Kann zum Frühstück kalten Maisbrei oder Reis vom Vortag essen. Stört sich weder am Plumsklo noch, an allen anderen Widrigkeiten.

Manchmal jagt sie mit dem Besen den Enten und Hühnern nach, wenn diese wieder auf der Terrasse sind und alles vollkacken. Allerdings, wenn Jara in ihrem Zimmer auch nur die allerkleinste Spinne sieht, müssen alle kommen und diese, wie auch immer aus dem Zimmer bekommen. Wir haben schon Schränke hochgehoben, um ja sicher zu sein, dass da nichts mehr ist. ☺☺☺

Ich bin mal gespannt, wenn Jara eine Tarantel sehen wird. Die sind hier auch. Wir leben ja mitten in der Natur. Die ersten Tage flossen sicherlich versteckt einige Tränen aus Heimweh, aber ich weiß, dass sie noch mehr Tränen vergießt, wenn sie abreist.

Richard’s erste große Aufgabe war, zu suchen warum es seit Wochen kein Wasser mehr gab. Wir hatten zwar genügend im Reservat, aber immer, wenn wir es hoch in die Wassertanks pumpten, waren diese relativ schnell wieder leer.

Auch kam kein Wasser von der offiziellen Leitung.

In der letzten Regenzeit wurde unsere offizielle Wasserleitung vom Hochwasser weggerissen. Die Leitungen haben wir über den Bach gebaut. Sie wurde nicht richtig repariert. Jetzt ist geplant, die Leitung in das Flussbett zu legen, allerdings wird das eine größere Aktion werden. Richard konnte die kleinen Fehler sofort reparieren und die Tanks laufen nicht mehr leer. Sind auch so Banalitäten, wie ein Wasserschlauch der am Wasserbecken bei der Schule angeschlossen war, um zu Gießen. Wenn irgendwer sich daraus einen Schluck Wasser holen wollte, ließ er erst das ganz heiße Wasser aus dem Schlauch, bis dann kühles kam. Meist blieb dann wohl noch der Hahn offen und es lief und lief und lief. Der ganze Bereich war auch total nass. Das sind so die Kleinigkeiten, die müssten eigentlich auch unsere Angestellten erkennen. Der Schlauch ist nun abmontiert und die Kinder trinken Wasser aus den vorgesehenen Wassereimern im Klassenzimmer.

Unser Toilettenprinzip, Urin und Feezes zu trennen, klappte im Kindergarten gar nicht. Die Kinder setzen sich nicht richtig auf die Brille und die Feezes liegen dann in den Urinschalen. Ein täglicher Frust bei Lunes, unserem Gärtner, der  täglich die Toiletten putzen muss. Egal, wie oft wir das noch erklären, oder die Lehrer motivieren, die pragmatische Lösung ist, Pipi und Feezes gemeinsam in einer Tonne aufzufangen. Richard baute also die Toiletten wieder um. Gleichzeitig bauten wir direkt als Übergang zwischen Kindergarten und Schule ein Plumpsklo, bis wir die optimale Lösung gefunden haben.

Richard bastelte Leisten mit Hacken, schraubte die in den Klassenräumen für die Schulranzen.

4. richard organisiert die Klassenrume

Ebenso eine Futtergrippe für die Kühe. Er ließ auch unser Depot komplett säubern und aufräumen. Das ganze Metalldach musste innen gereinigt werden.

4. Grossputz

Letztes Jahr machten wir den Fußboden im Verwaltergebäude, wurden aber nicht fertig. Alles wird leergeräumt, der Boden geschrubbt und danach mit Betonsealer eingelassen. Viele, viele Kleinigkeiten, die er repariert, organisiert und überwacht.

Richard ist aber nicht nur hier unser ‚Wassermann‘ sondern kümmert sich auch um die Solaröfen. 2-mal wöchentlich kochten wir Schulspeisung darauf. Danach füllt er immer große Eimer und stellte diese abwechselnd auf die Öfen, damit wir abends jeder so maximal 5 Liter warmes Wasser zum Duschen haben.

In den vergangenen Jahren, hatten wir immer eine aktive Baustelle und ich hatte immer wenig Zeit, um im Kindergarten zu sein. Jetzt planen wir den Bau von 2 Gästezimmer. Alles läuft noch etwas langsamer an und ich war jeden Tag vormittags in der Schule. War für mich höchst interessant und eine neue Erfahrung. Vorher und nachmittags arbeite ich mit unserem ‚Verwalter‘. Ich stellte ihn im Mai ein, erlebte ihn aber nur 1 Woche. Hier ist noch viel ‚Handlungsbedarf‘. Im November regnete es noch total untypisch, fast jeden Tag. Überall steht das Gras fast hüfthoch. Zwar schön für die Kühe, aber nachdem wir ja auch Schlangen haben – angeblich zwar ungiftig, und ebenso viele Bäume pflanzten, die fast nicht sichtbar sind, organisierte ich das alles mal geschnitten wird. Versuche auch das ‚Heu machen‘, einzuführen. Bei den Tieren ist es so, dass sie entweder viel zum Fressen oder in der Trockenzeit fast gar nichts haben. Fange mit der Buchhaltung unserer Konten und Kassenbücher an. Viele Gespräche und Diskussionen mit Farah unsere Kindergarten und Schulleiterin.

Wir starten alle früh den Tag. Ich vor 5, es ist noch kühl und ich kann am Computer arbeiten, ohne dass am Bildschirm unzählige Moskitos schwirren. Abends ist das so, aber morgens nie. Frühstücken organisiert jeder selbst. Ich mache nur Kaffee, dann ab 7 Uhr sind schon alle ‚weg‘. Wir treffen uns meist erst wieder am Spätnachmittag und essen gemeinsam mit den Angestellten zu Abend. Manchmal spielen wir danach Domino. Es wird viel gelacht. Wir gehen alle sehr früh schlafen.

So ist unser Alltag………..auch hektisch, geprägt von den Kindern und der Natur.

Aber ohne Vorweihnachtsstress!!!!

Roswitha

Kommentare (1)

  • Hermann Schimpf

    Hermann Schimpf

    19 Dezember 2017 um 16:07 | #

    Hallo Roswitha, ich lese immer wieder eure Berichte von eurem Tagesablauf. Ich wünsche euch weiterhin viel Kraft und Gesundheit. Liebe Grüße aus Marienthal von uns allen. Grüße auch Richard recht herzlich, Hermann

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