Haiti-Kinderhilfe

Reise 2017/2018 - 11. Bericht

Fortbildungswochenende mit 40 Lehrern und allen Eltern

Mittwoch, 07 Februar 2018.

11. Reisebericht

1.Lehrerfortbildung

Seit Jahren organisieren wir alle 2 Monate ein Fortbildungswochenende, für alle Lehrer unserer 3 Nachbarschulen und unseren Angestellten. Ein ehemaliges Patenkind aus Port-au-Prince, in der Zwischenzeit fast Kinder - Psychologe, ist meist der Dozent. Themen sind, ein Kind zu verstehen und zu fördern, die unterschiedlichen Entwicklungsstufen zu akzeptieren. Weg vom Einpauken und ununterbrochen laut Nachsprechen, Kinder auch Freiräume lassen, Kreativität der Lehrer zu fördern. Ein sehr, sehr schwieriges Thema, da noch fast alle Schulen autoritär funktionieren, auch die Lehrer darin aufgewachsen sind und was anderes nicht kennen.

Aber es ist schon ...

Aber es ist schon sehr viel Bewegung da. Ich hatte mit den Schuldirektoren ein langes offenes Gespräch. Sie baten mich zu prüfen, ob wir nicht die Möglichkeit hätten, auch Fortbildung in Naturwissenschaften, Französisch richtig zu vermitteln und auch Sozialkunde – aber alles auf dem Niveau der Grundschule, anzubieten. Sie wissen oftmals nicht, wie sie es den Kindern richtig lernen können. Nicht nur das Nachsprechen, sondern so, dass es dann auch im Kopf hängen bleibt.
Wir werden nach Dozenten und auch nach Büchern suchen.

Wenn es auch nur kleine Schritte sind, setzten aber schon ‚Nachdenken und Hinterfragen ein‘. Alle 3 Schulen werden von uns finanziell unterstützt, sodass alle Kinder der Gegend die Chance auf Schulbildung haben.

Jedes Seminar wird mit einem gemeinsamen Essen abgeschlossen. Wir übernehmen davon 50 % der Kosten. Gerade dieses gemeinsame Essen und miteinander sprechen, gibt den Lehrern immer wieder Mut weiterzumachen.

Auch das Gefühl der Gemeinschaft, dass sie nicht mit ihren Problemen alleine sind. Der Versuch uns zu integrieren, ist auch wichtig für unser Projekt.

Eltern

Dieses Mal war der 1. Tag für die Lehrer und am 2. Tag wurden alle Eltern eingeladen. Ich bin ehrlich: wenn ich schreibe ‚eingeladen‘ ist das nicht ganz richtig. Farah informierte schon seit Wochen alle Eltern, falls sie nicht zu dem Treffen kommen, werde sie ihnen die Kinder zurückschicken….

Farah redet den Eltern ins Gewissen

Beginn war 9 Uhr, allerdings bis fast 11 Uhr kamen die Nachzügler. Wir hatten über 100 Teilnehmer. Wir sprachen über häusliche Gewalt, Vorbildfunktion, Umweltschutz und vieles, vieles, vieles mehr. Es war schön zu sehen, dass die Eltern mitdiskutierten.

Samstagsschule 1

Wegen unseren 10 schwierigeren Grundschülern, sprach Farah direkt die Eltern an. Es war Samstag und alle konnten sehen, dass 2 Lehrer da waren, die wir extra bezahlen, aber nicht die 10 Kinder. Farah erklärte auch, dass es nicht nur um die 10 Kinder geht, die Hilfe benötigen, sondern auch die 20 ‚Guten‘ benachteiligt sind. Farah sagte die Namen der 10 Kinder und nun startete eine Diskussion unter den Eltern. Farah hatte genau den Nerv getroffen. Die Eltern entschuldigten sich und jetzt sind alle 10 Kinder pünktlich samstags da.

1.Abidaelle bt mit Holzkltzchen  2.Abidaelle viel Zeit frs Rechnen

 

 

 

 

 

 

Abidaelle übt mit Holzklötzchen fürs Rechnen

Wobei die Kinder gerne kommen. Sie bekommen Frühstück und nochmals ein zweites Essen. Dürfen vor und nach dem Unterricht so lange Fußball, Puppen, Lego spielen, wie sie wollen und sind nicht immer von den anderen Kindern gestört.

3. Samstags Unterricht

Die Eltern fragten, ob wir nicht öfters Treffen machen könnten. Ja, wir wollen über Verhütung, Gesundheit, Umweltschutz, Hygiene….usw. alle 6 Wochen einen Vortrag halten. Haben bereits Kontakt mit Ärzten und Krankenschwestern aus der Region aufgenommen. Uns ist es auch wichtig, auch die Jugendlichen ab 13 Jahren einzubinden.

Ja, nach den Weihnachtsferien war ich wirklich ein bisschen durch die Eltern entmutigt. Der Objektivität muss ich aber sagen, alle kamen und entschuldigten sich, dass die Kinder nicht immer da waren. Sie dachten das ‚Camp‘ sei nur für wenige Tage. Auch unser Versuch im Januar, die Eltern oder größere Geschwister mit ‚Hausaufgaben‘ für unsere 10 Nachzügler einzubinden, klappte nicht. Die Kinder haben zu Hause keinen Stuhl und keinen Tisch, die Eltern sind so mit dem ‚Überleben‘ beschäftigt, dass für Üben einfach keine Zeit ist.

Samstagsschule

Jetzt mit den 2 Lehrern am Samstag machen die Kinder wirklich Fortschritte und der Druck auf die Eltern, aber auch auf die Klassenlehrer, ist weg.

Tja, man muss akzeptieren was man nicht ändern kann – aber es machen sich immer andere Wege auf.

Roswitha

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