Haiti-Kinderhilfe

Dezember / Januar Haiti Reise Teil 14

Dienstag, 07 Februar 2017.
Dezember / Januar Haiti Reise Teil 14

Heute hatte ich wieder mit einem Schüler Kontakt, der nicht zur Schule gehen darf, weil er keine Schuhe hat. Bereits vergangene Woche traf ich einen anderen Schüler, dem es gleich erging.

Solche Treffen machen mich immer wieder traurig, aber auch aggressiv. Dieses unsägliche System, diese hirnrissige Anordnung, von wem auch immer sie kommen mag, macht mich so ungehalten gegen die Gesellschaft, die so etwas toleriert. Die Haitianer, die wie Lämmer hintereinander her laufen und die Obrigkeits-Maßnahmen ohne Hinterfragen mittragen.

Man muss sich doch fragen, warum kann sich die Familie des Jungen keine Schuhe für ihre Kinder leisten. Dieser nichtsnutzige Staats-Apparat, der es nicht schafft für seine Menschen soweit zu sorgen, dass sie Arbeitsplätze finden um Geld zu verdienen. Man muss sich auch fragen, wie das Tragen von Schuhen sich auf die Intelligenz oder die allgemeine Hirntätigkeit auswirkt. Warum stellen die Schulen ihren Schülern keine Schuhe zur Verfügung, wenn es denn nötig zu sein scheint, für die Erlangung von Lernstoff Schuhe zu tragen. Warum muss man Menschen, denen es sowieso schon mehr als schlecht geht auch noch so beschämen, indem man ihnen ihre Armut immer wieder vorhält? Warum unterstützt man intelligente, lernbegierige junge Menschen nicht, sondern behindert sie mit solchen schwachsinnigen Anordnungen. Keinem anderen nutzt es, wenn ein Schüler Schuhe trägt. Warum nimmt ein Staat es hin, seine Schüler vom Lernen abzuhalten um aus dem Analphabetismus herauszukommen, weil der Schulbesuch ohne Schuhe verboten ist? Warum nimmt ein Lehrer es hin, seine Schüler so maßregeln zu müssen? Warum nimmt ein Direktor es hin, seinen Prüfungsdurchschnitt so nach unten zu drücken, da seine Schüler nichts können und wissen, weil sie mangels Schuhe nicht zur Schule dürfen und den Stoff nur lückenhaft lernen können. Warum nehmen Eltern das hin, dass ihre Kinder wieder nach Hause geschickt werden, weil sie keine Schuhe tragen? In allen Schulen mit denen wir irgendwie in Kontakt gekommen sind, war es nie ein Thema, dass diese Schulen kein Lernmaterial und Schulbücher zur Verfügung stellen können. Dies ist in jeder Schule absolute Mangelware. In manchen Schulen haben selbst die Lehrer keine Bücher sondern lehren nur anhand ihrer Aufzeichnungen. Die Schüler lernen auswendig durch lautes Nachsprechen. Aber gut, sie tragen Schuhe…….. Warum rebelliert hier niemand gegen diesen Unfug?

Selbst hier in unserem Kindergarten muss ich beobachten, dass auf Uniformität großen Wert gelegt wird. Das Individuum zählt kaum, Widerspruchsgeist wird nicht zugelassen, die Kinder werden immer wieder in die von den Erziehern ausgewählte Bahn gelenkt. Liebevoll zwar, aber eben vorgegeben. Heute Morgen kam die Gruppe der Ältesten hier auf unser Verwaltungs-Gelände um den Solar-Ofen anzuschauen. Hintereinander als Schlange, die Hände auf den Schultern des Vordermanns stolperten sie durch die Gegend. Auf meine Frage, warum die Kinder hier auf dem vollkommen ungefährlichen Gelände nicht „frei“ laufen dürfen, wurde mir geantwortet, dass diese Art des Gehens in den haitianischen Kindergärten üblich sei. Da muss ich mich doch fragen: „Was soll das?“ Wenigstens zu zweit nebeneinander hätte man die Kinder auch gehen lassen können. Man übernimmt Schwachsinniges und denkt nicht daran etwas zu hinterfragen und vielleicht besser und angenehmer für die Betroffenen zu machen. Wobei hier viel mehr als irgendwo anders gelernt wird von Lehrern, Erziehern und Eltern.

Mein Frust ist immer wieder groß, vielleicht bin ich auch nur ungeduldig.
Viele Grüße

Conny

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