Haiti-Kinderhilfe

5. Reisebericht Roswitha Winter 2018/19 - Abholzung, Holzkohle - Finanzierung eines eventuellen Studiums, Start ins Berufsleben

Samstag, 09 Februar 2019.
5. Reisebericht Roswitha Winter 2018/19 - Abholzung, Holzkohle - Finanzierung eines eventuellen Studiums, Start ins Berufsleben

90 % der Bevölkerung kocht in Haiti mit Holzkohle. Gas ist teuer und nur an wenigen Orten verfügbar. Wir sind über 2 Stunden off-road unterwegs, um unsere Gasflachen aufzufüllen und zahlen pro Flasche ca. 18 Euro. Damit kochen wir maximal 1 Monat, wobei wir das meiste am Solar-Ofen bereits vorkochen.

Es gibt hier keinen Wald mehr, Erosion ist ein Riesenproblem und Umweltkatastrohen werden häufiger, immer weniger kann auf dem immer kargeren Boden angebaut werden, immer mehr Hunger, immer mehr Landflucht. In dem Kaffeeland Haiti gibt es immer weniger Kaffee und die Bohnen werden importiert, da Kaffee nur im Schatten wächst. Ich könnte noch vieles aufzählen.

Fakt ist aber, dass die Städte mehr wachsen, die Nachfrage nach Holzkohle steigen wird. Für die bettelarme Landbevölkerung ist es sehr schwer ihre wenigen Ernteerträge in die Städte zu bekommen, bzw. benötigen sie es selbst, um nicht zu verhungern.

Bäume – Holzkohle ist das Produkt, das sie verkaufen können, ihre Recheneinheit. Ein alter Baum, je nach Art ergibt 14-20 Säcke. Sie als Produzenten erhalten dafür umgerechnet bei einem Preis von 3,70 € pro Sack, maximal 74 Euro für einen Baum. In den Städten werden dann die Säcke mit bis zu 150 % Aufschlag verkauft. Die Preise haben sich in den letzten 20 Jahren verzwölffacht. Also von 40 Gourdes auf 500 Gourdes – normale Inflation. Die Preise werden weiter steigen

Seit 40 Jahren höre ich immer wieder man muss aufforsten, aber eigentlich kann ich keinen Wandel sehen, sondern eher das Gegenteil. Wir hören oftmals Wochen nachts die Äxte, wenn Bäume gefällt werden. Sehen den Rauch oder riechen den kokelnden, beißenden Geruch, wenn Holzkohle gemacht wird.

Aber Holzkohle ist hier das große Geld und wöchentlich machen sich große LKWs Richtung Port-au-Prince auf den Weg.

Es wird zwar überall ‚gepredigt‘: „pflanzt Bäume, sind wichtig“, aber fast keiner macht was. Der Hunger ist jetzt, langfristiges Planen nicht wichtig. Was wird aus den Kindern, wenn ihre Schule bei uns abgeschlossen ist? Was hilft ein Abitur, wenn es dann nicht weitergeht? 80 % der Kinder in Haiti, die die Möglichkeit haben bis zum Philo zu gehen, bekommen auch ihr Abitur. Das Niveau ist sicherlich nicht vergleichbar, aber das Dokument erlaubt den Zugang zur Uni, oder in Haiti wird auch bei vielen Berufsausbildungen Abitur verlangt. Z.B. Krankenschwester, Buchhalter…

Die einfachste Lösung wären Bäume. Wir organisieren eine Elternversammlung, auch die Kinder der Grundschule sind anwesend. Thema: „Eltern wie finanziert ihr das Studium eurer Kinder? Die Kinder wollen alle entweder Arzt, Krankenschwester, Lehrer, Ingenieur, Pilot, Präsident… werden.

Wir bieten euch eine in Haiti einmalige Schulbildung an. Aber es muss danach weitergehen, dass es die Kinder besser haben und auch euch helfen können, aber die Finanzierung des Studiums ist euer Part.“ Großes Erwachen, lange Diskussionen hin und her.

Unsere zwei Grundschullehrer erzählen ihren Lebensweg. Abitur, aber die Familie hatte keinen Cent, um ihnen zu helfen. Wie mühsam und fast unmöglich es war und ist, die Ausbildung zu schaffen.  Die meisten Abiturenten würden danach arbeitslos und perspektivlos rumhängen. Sie als Lehrer, würden alles für die Kinder geben und auch für sie ist es frustrierend zu wissen, dass nach dem Schulabschluss die Kinder keine Perspektive haben, wenn die Eltern nicht vorsorgen.

Dann zeigen wir den Eltern die bereits vorbereiteten Preisentwicklungen von Holzkohle und Holz generell in Haiti. Rechnen mit ihnen die Prognose der Preise in 12 Jahren. Diskutieren welche Bäume schnell wachsen und sich gut vermarkten lassen. Welches Kapital sie für ihre Kinder in den Händen hätten, wenn sie Bäume pflanzen. Viele, viele Argumente…wir sprechen auch Umweltschutz an. Alle kennen die Probleme. Aber für uns ist das einzige Argument immer wieder nur Geld, um die Eltern zum Überlegen zu bringen.

Wir rechnen ihnen vor, wie viele Bäume für welches Studium nötig sein werden. Es kommt das Argument, wo bekommen wir die Bäume her? „Wir, Haiti-Kinderhilfe e.V. werden diese mit euren Kindern organisieren, aber ihr müsst sie pflanzen und für eure Kinder wachsen lassen. Es ist ihr Kapital.“

Ich hatte bewusst die Schulkinder eingeladen und nun ging jedes Kind zu seinen Eltern und die Eltern mussten ihm versprechen, wie viele Bäume sie für ihn für sein Studium einpflanzen werden. Die Eltern mussten den Kindern die Hand darauf geben.

Es war ein hektischer, aber auch sehr berührender Tag, ich hoffe, wir haben den Nerv der Eltern getroffen. Wir werden ein weiteres Projekt starten:

‚Eine Baumschule für die Zukunft unserer Kinder‘.

Liebe Grüße

Roswitha

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