Haiti-Kinderhilfe

4. Reisebericht Roswitha Winter 2018/19 - Weihnachtsfeier, der aufregendste Tag im Jahr

Samstag, 09 Februar 2019.
4. Reisebericht Roswitha Winter 2018/19 - Weihnachtsfeier, der aufregendste Tag im Jahr

Unsere Weihnachtsfeier ist bereits Tradition. Alle Eltern sind dazu eingeladen. Die Lehrer und Kinder sind ‚rot–weiss‘ gekleidet. Die Kinder der Vorschulklasse tragen unsere Nikolausmützen. Die Kleider werden auf second-hand Märkten gekauft und immer wieder an jüngere Kinder weitergegeben. An dem großen Tag sind alle kleine Prinzessinnen und unsere wilden Jungs -in langen Hosen, Hemd und roter Krawatte, nicht wieder zu erkennen. Auch hier darf man nicht genau hinsehen, alles entweder zur lang, zu kurz, zu eng, zu weit – aber es schaut großartig aus.

Im Kindergarten werden schon seit Wochen in jeder Gruppe je 2 Lieder und 2 Gedichte geübt. Die Lehrer der 2 Grundschulklassen üben für eine Tanzgruppe, sowie ein Theaterstück mit 2 Akten. Der Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies – Marias Empfängnis, Reise nach Bethlehem, Geburt Jesus, Besuch hl. 3 Könige.  Hätten sie alles in YouTube gesehen !!

Die Kinder lernten fleißig ihre Texte zu Hause. Allerdings wurde noch nie gemeinsam geübt. Eigentlich wusste noch niemand wo die riesige Feier stattfinden könnte. Alle unsere 150 Kinder müssen auftreten, sonst fühlen sich die Eltern ausgegrenzt. Wir müssen also für 60 Grundschulkinder Rollen kreieren, eine Bühne bauen, Kostüme…….Hektik…..

Ein noch unbenutztes Klassenzimmer wurde als Bühne umgewandelt. Mit allen Tischen aus Schule und Kindergarten, Abdeckplanen, Holzbrettern, alten Sperrholzplatten vom Bau und unseren ganzen Matratzen wurde fast der ganze Raum so hoch nivelliert, dass die bebaute, zwar leicht wackelige Bühne, gleich hoch wie die Außenmauer war. Mit Bananenstauden, Zuckerrohrpflanzen, Palmwedeln, alles in Putzeimern, entstand ein wunderschönes Paradies. Die Szene des 2. Aktes war direkt in unserem Schulgarten unter Bäumen. Der Stall unser kleines, vor Jahren gebautes haitianisches Spiel-Häuschen. 

3 Tage lang probten wir mit den Kindern – wir hatten viel Spaß, aber auch Stress. Jeder bekam noch eine Rolle. Wir hatten für Fasching Tiermasken, Richard in der Werkstatt alte Stoff-Fetzen und das Paradies wurde mit Katzen, Schweinen, Kühen, Eseln und Hunden ergänzt. Alle durften Laute von sich geben und somit aktiv mitspielen. Die Traumrollen waren aber Engelchen in rosaroten Anzügen und Krönchen, die ich mal gespendet bekam. Aus einer Decke wurde eine Schlange gebastelt und um den Körper eines Jungen gebunden. Eva wurde in ein Kopftuch gewickelt.

Für den 2. Akt hatten wir 5 Hirten, alle in übergroßen alten Hosen von uns, gehalten mit Stricken, Ziegen hatten wir genügend. Andere Engel wurden für Maries Empfängnis und Josefs Information eingesetzt. Das Häuschen umdekoriert, das Baby und der Schwangerschaftsbauch versteckt. JEDES Kind hatte eine Rolle und ein Kostüm, alle waren aufgeregt und glücklich. Die Stimme Gott, von einem Lehrer gespielt, kam dramatisch aus dem Wipfel des nahen Mangobaumes, der Teufel und der Erzähler waren in anderen nahen Bäumen versteckt.

Die Premiere lief wunderbar, es war so gut organisiert, dass wir 30 Minuten früher fertig waren und die Kinder und Eltern noch bei Tageslicht nach Hause gehen konnten. 

Es gab einige lustige Pannen. Farah hatte in der Hauptstadt einen Apfel für Eva gekauft und der hing dann auch am verbotenen Baum. Aber keiner hatte es „Eva“ erklärt, sie hat noch nie einen Apfel gesehen. Auf der Suche nach der verbotenen Frucht -bei der Probe war es ein Blatt, riss dann aus einer großen Bananenbratze, die unglücklicher Weise genau über dem „verbotenen“ Baum hing, eine Banane für Adam, wobei die ganzen ca. 70 Bananen runterkrachten und den armen Adam beinahe erschlagen hätten. Wer weiß, vielleicht wären wir noch immer im Paradies! ☺

Die Eltern und auch unsere Kinder haben wahrscheinlich das Thema gar nicht verstanden, aber alle hatten viel Spaß. Die 2. Szene verstanden auch alle Eltern. Schwangerschaft, Kinder bekommen, ist hier auch für die Kleinsten was Normales.  Alle Eltern wechselten den Zuschauerplatz, machten einen engen Kreis um diese Szene. Hier wurde ganz viel geklatscht, gelacht und fast aktiv mitgespielt.

Jedes Kind bekam noch eine von uns abgepackte Tüte mit Süßigkeiten und Keksen. Es war ein lustiges Fest, mit vielen netten Pannen, das Thema Sündenfall zu schwer für Eltern und Kinder zu verstehen. Aber es war so ein toller Event, am Zaun hatten sich viele Schaulustige eingefunden. Alle meinten, sowas hätten sie noch nie erlebt.

Liebe Grüße

Roswitha

Kommentare (1)

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    02 Mai 2019 um 10:10 | #

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