Haiti-Kinderhilfe

3. Reisebericht Roswitha Winter 2018/19 - Schlachtfest

Freitag, 01 Februar 2019.
3. Reisebericht Roswitha Winter 2018/19 - Schlachtfest

Wir haben eine junge trächtige Kuh und zwei Jungbullen. Alle drei Tiere sind aus eigener Züchtung. Unser Traum ist „Milch für die Kinder“, deshalb wollen wir nur  weiblichen Nachwuchs.

Sehr zum Unverständnis unserer Mitarbeiter, schlachten wir männliche Tiere wie z.B. überzählige Hähne, und es war klar, dass wir keine Stiere wollen. Zum Decken „mieten“ wir bei Bedarf einen fremden Stier. Unsere Tiere werden nicht zum Fleischverzehr gehalten, sondern wir haben riesige Flächen mit dichtem Gras, auch Abfälle aus Schulspeisung und Landwirtschaft.

Noel, unser deutscher Praktikant wusste von meiner Einstellung und ließ sich ein Filetiermesser und Schleifstein von seinen Eltern senden. Er wollte von mir direkt wissen, wann wir schlachten. Er mache es!!!
Bisher waren alle Besucher nachdem sie das Töten eines Tieres hier miterlebt haben, hinterher Vegetarier. Ich bin gespannt.

Fleisch ist hier eine Rarität, keiner hat Lagermöglichkeiten, man kauft sich ein Fleischstück am Wochenmarkt. Ich bin da etwas ‚zurückhaltend‘. Noel kaufte sich vor Wochen ein Stück, stellte dann aber enttäuscht beim Essen fest, dass es eigentlich nur Haut und Borsten einer Ziege war.

Noel muss den Jungbullen auswählen. Ein erfahrener Nachbar und unsere zwei Mitarbeiter helfen mit. Das Töten geht ganz schnell, aber Noel kämpft kurzfristig nun doch mit seiner Seele. Die Schlachter bekommen Kopf, Füße, die Haut für Trommeln, alle Innereien – außer Leber. Noel will unbedingt Hoden und Penis. Aus dem Blut wird sofort eine würzige Suppe gekocht, ein Festschmaus.  Das Tier wird geviertelt und über Nacht zum Ausbluten an Bäumen aufgehängt.

Noel hat sich schon tagelang vorher über YouTube über Schlachten und Zerlegen informiert. Wir starten ganz früh sonntags mit dem Zerlegen. Noel schaut immer wieder in YouTube nach und er ist ‚Chef‘, ich mache dann die ‚Feinarbeiten‘.

Wir arbeiten uns Stunde für Stunde durch das Fleisch, lernen beide ganz viel und haben beide sehr viel Wertschätzung für unseren Bullen. Richard half manchmal mit einer Flex Knochen zu durchtrennen. Wir haben bis mittags nur ein Viertel geschafft, es kommen immer mehr Fliegen, wir sind beide erschöpft und wollen morgen weiter machen. Wir stellen fest, dass bei den anderen Teilen bereits an einigen Stellen Maden sind. Deshalb räumen wir unsere Kühlmöglichkeiten leer und kühlen das Fleisch. Die Maden gießen wir mit heißem Wasser ab.  Wir sind aber beide pragmatisch – Maden sind auch Proteine, beim Einfrieren sterben sie sicherlich ab.

Wir zerlegen noch drei weitere Tage das Fleisch. Haben viele, viele Tüten mit ‚Suppe, Grillen, Braten, Gulasch, Knochen‘. Die Gefriertruhe ist voll. Es gibt sofort für uns und für alle Kinder in der ersten Woche wunderbaren Eintopf mit Fleisch.

Wir lassen noch einige Tage auf dem Solarofen das Fett aus und bekommen etliche Dosen Rinderschmalz zum Kochen und als Brotaufstrich. Es gibt Rinderbraten zur Weihnachtsfeier aller Mitarbeiter, wöchentlich Gemüsesuppe mit Fleisch und einmal die Woche Fleisch. Es wird noch einige Monate ausreichen.

In den ersten Jahren gab es nie Fleisch, was auch ok war. Nachdem wir aber die Nutztiere halten, sie paradiesisch hier aufwachsen dürfen, und wir große Wertschätzung für das gute Fleisch haben, denke ich, dass ab und zu Fleischverzehr ganz ok ist.

Wir werden den Speiseplan noch um eine ‚Sau‘ und eine Ente erweitern.

Liebe Grüsse

Roswitha

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